Glasladungen gehören zu den anspruchsvollsten Ladungsarten, die auf dem Seeweg transportiert werden. Selbst bei relativ kurzen Fahrten kann bereits eine geringfügige Verschiebung im Laderaum zu erheblichen Schäden und kostspieligen Schadenersatzforderungen führen.

In einem kürzlich von NNPC Marine Insurance bearbeiteten Fall nahm eine in Holzkisten transportierte Glasladung während der Reise und beim Löschen erheblichen Schaden. Die Schadenersatzforderung führte letztendlich zu einem Schiffsarrest und langwierigen Diskussionen über die Haftung und Regressmöglichkeiten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ladungsarten reagiert Glas äußerst empfindlich auf Erschütterungen, Druck und Stöße. Schäden sind oft nicht unmittelbar von außen sichtbar und treten manchmal erst zutage, wenn die Kisten im Lager des Empfängers geöffnet werden. Erfahrungen aus jüngsten Versicherungsfällen zeigen, dass Glasschäden meist auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen sind und selten durch einen einzelnen Vorfall verursacht werden.
Häufige Ursachen sind unter anderem:
- unzulängliche Stauplanung
- unzureichender Einsatz von Staumaterial zwischen den verschiedenen Ladeeinheiten
- unzureichende Maßnahmen beim Laschen und Sichern
- zu viele Hohlräume innerhalb der Ladung
- Verrutschen der Ladung bei schlechtem Wetter
- unsachgemäße Verpackung oder unzureichende Stabilität der Kisten
- Schäden, die während der Lade- oder Löscharbeiten durch Stauer verursacht werden
- unsachgemäße Handhabung durch Gabelstapler oder andere Geräte an Land
Um das Schadensrisiko zu minimieren, empfehlen wir unseren Mitgliedern, besonders auf Folgendes zu achten:
- Zustand und Eignung der Verpackung
- korrekte Stauplanung und Vermeidung von Hohlräumen beim Stauen
- ausreichender Einsatz von Staumaterial und angemessene Maßnahmen zur Ladungssicherung
- sorgfältige Begleitung und Überwachung beim Laden und Löschen
- rechtzeitige Hinzuziehung eines Sachverständigen, sobald dies als notwendig erachtet wird
- umfassende fotografische Dokumentation und lückenlose Aufzeichnung der durchgeführten Arbeiten
Aus vertraglicher und kaufmännischer Sicht empfiehlt es sich, vor Abschluss eines Chartervertrags die Identität, die finanzielle Situation und den Ruf des betreffenden Befrachters zu überprüfen. Selbst wenn die Verantwortlichkeiten für Lade-, Stau- und Löscharbeiten vertraglich klar festgelegt sind, kann sich die Geltendmachung von Schadensersatz als schwierig erweisen, wenn die verantwortliche Partei keine ausreichende Regressmöglichkeit bietet oder nur schwer in Anspruch genommen werden kann. Eine rechtzeitige Due-Diligence-Prüfung ist daher ein wichtiger Bestandteil eines effektiven Risikomanagements.
Bei Fragen zum Transport von Glasladungen oder wenn unsere Mitglieder bei einem Zwischenfall Unterstützung benötigen, steht das NNPC-Schadenteam rund um die Uhr unter claims@nnpc-marine.com oder +31 (0)50 5343211 zur Verfügung.
